Alles was Sie über Rastafari Musik wissen müssen

Wer noch nie von Bob Marley, Peter Tosh oder etwa Sebastian Sturm gehört hat, der ist hier genau am richtigen Platz. Wer Interesse an der Kultur und Religion von Rastafaris hat, der wird um deren Musik nicht umherkommen. Die oben genannten Künstler vermitteln unterschiedliche Werte, aus verschiedenen Kulturkreisen und sogar Kontinenten. Bob Marley ist wohl mit der bekannteste Künstler aller Zeiten, der mit seinen einnehmenden Songs nicht nur eine gänzlich fremde Kultur über den Atlantik zu uns gebracht hat, sondern gleichzeitig Menschen jeglicher Herkunft an einen Tisch bringen konnte.

Rastafari Musik ist nur Musik, sondern vor allem aus Ausdruck von Kultur, von Geschichte, Verarbeitung und von Hoffnung auf ein Umdenken in unserer Gesellschat. Um die Musik komplett verstehen zu können, muss man wissen, was die Geschichte der Rastafari mit sich bringt; von den Anfängen in Afrika, wo sie als Sklaven in die neue Welt geschifft wurden um dort unter schrecklichen Bedingungen zu leben. Rastafari Musik ist also immer Ausdruck einer gemeinschaftlichen Aussage, dem Wunsch, eines Tages wieder in die spirituelle Heimat zurückkehren zu dürfen.

Natürlich wird die Musik der Rastafari aber auch kritisch beäugt, da sie trotz aller Intensität und Leichtigkeit viele Themen anspricht – und be/verurteilt – die in unserer modernen Gesellschaft an sich nicht geächtet werden sollten. Besonders abfällige Kommentare zu Homosexualität und die Rolle der Frau – von stark orthodoxen Rasta-Musikern  – werden in manchen Rastafari Songs untergebracht, was seit Beginn dieses Jahrtausends für immer mehr Gesprächstoff sorgt.

Thematisch werden in den meisten Liedern Dinge angesprochen, die von hoher kultureller Bedeutung für die Rastafari sind. Dazu zählen vor Allem die Liebe, sowie der Wunsch nach Freiheit in spiritueller Hinsicht. Oft wird sich in den Songs direkt an Jah gewendet, der Gott der Rastafari, in der Hoffnung auf Erlösung und ein Eintreten ins Zion, dem Himmel der Religion. Aber auch das genaue Gegenteil wird lautstark besungen, nämlich Babylon. Wer sich ein wenig mit der Bibel auskennt wird wissen, welche Rolle der Turm zu Babel für die Menschheit bedeutet und Rasta sehen in ihm all das Übel unserer Welt. Daher sind die Songtexte diesbezüglich oft enorm drakonisch.

Aber nicht nur in Jamaika, anderen Ländern der Karibik und in der spirtituellen Heimat Afrika machen Rastafari Musik, um ihr Leben darzustellen. Da die Religion für alle Menschen offen steht, die sich Jah verschreiben, hat sich in den vergangenen Jahren besonders in Europa eine sehr starke Rastafari Musikszene entwickelt. Thematisch sind die Aspekte ihrer Musik allerdings nicht 100% deckungsgleich mit denen der Originale. Hier werden allerdings auch Missstände in der Kultur und der Politik angeprangert, während gleichzeitig spirtutelle Brücken zu den Vorfahren gebaut werden.
Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Rastafari Musik überwiegend eine friedvolle und animierende ist, die mit Ausnahme von einigen politischen Texten niemanden auszugrenzen vermag.

10 Dinge die Sie noch nicht über die Rastafari Religon wussten

Die Religion der Rastafaris ist von Mythen und Sagen umwoben, denn vieles ist noch relativ unbekannt und wird meist über Reggae, Dreadlocks, Bob Marley und andere, werbeträchtige Sinnbilder verkörpert. Dies ist jedoch ein wenig oberflächlich, denn die Rastafari Kultur und Religion hat viel mehr zu bieten als augenscheinlich angenommen. Ein tieferer Blick in einer Religion, die auf spiritueller Heimatlosigkeit und Hoffnung auf Erlösung im Diesseits pocht hilft dabei, mehr zu verstehen. Hier kommen nun 10 Dinge über die Rastafari Religion die Sie vielleicht noch nicht kannten.

  1. Marihuana

Auch wenn es oft dazu gehört, als Rastafari das „heilige Kraut“ zu rauchen, so ist es definitiv kein Muss. Es ist zwar ein sehr essentieller Teil ihres Glaubens, aber auch ohne diesen Weg zu Erleuchtung kann die Religion ausgelebt werden.

  1. Haile Selassie

Anfang des 20. Jahrhunderts war es Marcus Garvey, welcher einen neuen schwarzen König versprach, ein Messiah der die Menschen einen würde. Haile Selassie, Herrscher Äthiopiens, wurde nachgesagt, eine direkte Blutlinie zu König Salomon zu besitzen, was ihn ebenfalls mit Jesus in Verbindung brachte.

  1. Der Tempel im eigenen Körper

Im Rastafari Glauben wird der Körper als der eigenen Tempel betrachtet. Es ist daher von oberster Wichtigkeit, dass man gut auf ihn aufpasse. Dazu gehört neben aktiver Betätigung auch eine vernünftige Ernährung und der Verzicht auf Chemikalien.

  1. Die Ernährung

Wie schon erwähnt, spielt eine richtige Ernährung eine wichtige Rolle im Leben eines Rastafaris. Dabei erinnert die Diät ein wenig an ein Gemisch aus vegetarischer und veganer Küche, ist aber nicht daran gekoppelt. Es geht vorwiegend darum, kein verarbeitetes Essen zu sich zu nehmen. Auch verzichten sie auf Fisch, da es entgegen der Thesen der Bibel geht.

  1. Sie heiße Rastafari

Man sollte niemals – NIEMALS! – den Fehler machen, die Religion als Rastafarismus zu bezeichen. Die Idee des –ismus Suffix wird eng mit Bablyon in Verbindung gebracht, dem Feindbild der Rasatfari. Babylon wird in der Bibel als der Turm allen Übels bezeichnet, der die Menschen unterdrücken will.

  1. Babylon

Babylon steht aber auch für andere Dinge, besonders die Sklavengeschichte wird hiermit erklärt. Es ist das erklärte Ziel der Rastafaris, irgendwann wieder ins gelobte Land nach Afrika zu ziehen, wo sich sich gegen die weiße Kolonialherrschaft und allgemein die westliche Welt auflehnen können.

  1. Die eigene Sprache

In Anlehnung an die Auflehnung gegenüber dem, auf Jamaika gesprochenen, Creole-English haben die Rastafari ihren eigenen Dialekt entwickelt, auch als Lyaric bekannt. Dieser manifestiert sich vorwiegend über sehr positive Begrifflichkeiten, um das menschliche in allem zu zeigen.

  1. Die Farben

Rot, Gelb und Grün sind bekannte Farben aus den panafrikanischen Ländern, die meist für Blut, Gold und Land stehen. Ausserdem gehört im Fall Jamaikas noch die Farbe Schwarz hinzu.

  1. Die 10 Gebote

Diese werden fast wortwörtlich genommen und es wird, im Alltagsleben so strikt damit umzugehen wie nur möglich.

  1. Zion

Der Himmel der Rastafari – dies ist das heilige Land, wohin es nach dem Ende im Diesseits gehen soll. Dies steht allen offen, die sich offen zu König Ras Tafari bekennen.

Rastafari – Fakten und Mythen

Rastafaris, da denkt man sofort an Jamaika, Bob Marley, lange Dreadlocks und entspannte Reggae Musik, zusammen mit den bekannten und berüchtigten Rauchutensilien. Oftmals vergessen die Menschen dabei aber schnell, dass es sich bei den Rastafaris um sehr spirituelle Menschen handelt, die einem relativ striktem Lebensrythmus folgen und strenge Gelübde einhalten. Dabei ist die Religion eine der wenigen, die  nicht damit wirbt, Erlösung im Jenseits zu erfahren, sondern bereits hier auf Erden. Was genau sind aber Fakten zur Religion und was kann getrost ins Reich der Fabeln und romantischen Vorstellungen von Gras-rauchenden Rastas die Reggae Musik am Strand von Kingston machen.

Marihuana – der Glaube, dass alle Rastafari Marihuana rauchen ist schlicht falsch. Es wird zwar als „Kraut der Weisheit“ angesehen, das zu einer Erleuchtung auf Meta-Ebenen führen kann, aber es ist keineswegs erforderlich. Es wird dem Alkohol und Zigaretten vorgezogen, da es ein natürliches Produkt ist, welches im Einklang mit dem Gedanken, mit der Natur zusammenzuleben, steht. Nicht zu rauchen wird aber nicht als Problem oder Ignoranz angesehen.

Dreadlocks – Lange, verzwirbelte Haare, oftmals ungewaschen. Auch sie sind zwar eng mit der Religion und dem mediengerechten Auftreten der Rastafaris verbunden, stellen aber  keine unbedingte Notwendigkeit dar. Ursprünglich galten die Dreadlocks als Zeichen des Widerstands gegen die weißen Kolonialmächte in Jamaika und anderen Ländern in der Karibik – wo die Sklavenschiffe aus verschiedenen afrikanischen Ländern anhielten – was sich anhand des englischen Begriffs „to dread = fürchten“ manifestiert. Meinungen, dass Dreadlocks dreckig sind und damit auf die Kulturgruppe ansprechen, sind grundlegend falsch.

Alles Jamaika – Man kennt Reggae, Bob Marley und auch Montego Bay. Aber das ist nicht gleichbedeutend damit, dass die Kultur und Religon von Rastafaris ausschließlich in Jamaika betrieben wird. Wer sich ein wenig intensiver mit der Geschichte auseinander setzt wird feststellen, dass die Insel in der Karibik gar nicht mal den Ursprung der Religon darstellt, denn der Glaube stammt aus Äthiopien in Ostafrika. Dort wurde der König Ras Tafari, auch als Jah bezeichnet, als instanz für den göttlichen Glauben der Rastas auserkoren. Die Repatriation der Rastas aus der Karibik zurück nach Afrika ist ein lebenslanger Traum vieler Rastas, oft natürlich eher im spirituellen Sinne.

Nur Männer – auch das ist eindeutig falsch, denn es gibt sicherlich genau so viele weibliche Rasta wie männliche. Zwar gibt es unterschiedliche Rollen innerhalb der Auslebung der Religion für Männer und Frauen, aber auch diese sind eher im fließenden Übergang zu betrachten und daher nicht fix anzuwenden. Orthodoxe Rastas mögen zwar eine andere Ansicht über die Gechlechterrollen haben, aber die eher modernen Auslegungen zeigen, dass solche Stereotypen veraltet sind.

Wie man sieht, entpuppen sich viele der „Fakten“ um Rastafaris im Nachhinein eher als Mythen und sollten daher mit Vorsicht behandelt werden, denn Fehler in den Überlieferungen von Religionen können leider viel zu oft ernste Probleme mit sich bringen.